Slowenien: Nachwuchs auf der Skifahrer-Landkarte
Genau so wie Norwegen, Österreich und die Schweiz sieht sich auch Slowenien als Wiege des Skilaufs. Ein Absatz im Werk „Die Ehre des Herzogtums Krain“, nachweislich verfasst von J.W. Valvasor im Jahre 1689, spricht allerdings für die Slowenen: „ ... Zu diesem Zwecke nehmen Männer und selbst Frauen zwei hölzerne Bretter, vorne hoch gebogen. Die Schuhe werden in einen Gurt aus Leder gesteckt. Ein langer Knüppel dient als Stütze und zum Steuern. Sie lassen sich mit unglaublicher Geschwindigkeit zu Tale hinab“.
Bojan Krizaj brachte dann in den 80-er Jahren mit 32 Medaillen erstmals Wettkampf-Ruhm ins Land und als Nachwuchs-Talent stand die Slowenin Tina Maze zwischen 2001 und 2007 immerhin zwölf Mal auf dem „Stockerl“, sechs Mal davon als Weltcup-Siegerin.
Zusammen gefasst:
Preiswerter ist der Skiurlaub kaum irgendwo in den Alpen. Besonders beim Essen und Trinken reden wir von rund einem Viertel Ermäßigung. Kleiner Wermutstropfen für verwöhnte Slowenien-Kenner: Die Umstellung auf Euro im Januar 2007 hat einen spürbaren Preisschub ausgelöst.
Die Lift- und Seilbahntechnik ist für echte Pistenfresser sicherlich nicht das Gelbe vom Ei. Chaotische Parkplätze, Rodler mitten auf der Piste und mäßiger Straßenzustand bei vielen Zufahrten vermitteln die Gastgeber allerdings mit Improvisationstalent und Hilfsbereitschaft. Das slowenische Hochgebirge hat einen eigenen Charakter mit Pisten aller Schwierigkeitsgrade und bietet durch die Nähe der Adria stabile Wetterlagen. Zwei Drittel der Pisten können beschneit werden, rund 300 Loipen-Kilometer sind präpariert. Eine interessante Abwechslung ist ein Skiurlaub in Slowenien für Forscher-Typen und Sparefrohs allemal.
Die deutschen Exoten
Pistenlängen stets im zweistelligen Kilometer-Bereich, vergleichsweise geringe Seehöhen, keine gepolsterten 8-er Sesselbahnen aus neuester Produktion mit Wetterschutz-Haube und Sitzheizung, kaum erkennbare Auftritte im Wettbewerb ums internationale Schnee-Geschäft - die slowenischen Skigebiete erschließen sich Anfängern bis guten Mittelklasse-Läufern erst auf den zweiten Blick, sind aber längst nicht mehr zweite Wahl.
Grasberge ohne spitze Kalkalpen-Steinchen, jede Menge Schneekanonen und eine international konkurrenzfähigen Präparierung (Maribor-Pohorje hat im vorletzten Winter immerhin 144 Ski-Betriebstage geschafft) sorgen für viel Skigenuss - und die mit 2.300 Metern höchste Piste in Kanin im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien gibt den Blick bis zur Adria frei.
Deutschsprachige Gäste zählen hier noch zu den Exoten und werden deshalb mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Sie sind mit Tages-Skipass-Preisen zwischen 15 und 27 Euro dabei, das ist rund ein Fünftel weniger als in Italien oder Österreich. Die Qualität dargebotener Mahlzeiten etwa in Skihütten ist gut, der Service ebenso. Zimmer und Frühstück gibt´s pro Nacht und Nase ab 14 Euro. Die Entfernungen sind auf gut ausgebauten Fernstraßen bequem überbrückbar - von München bis Kranjska Gora sind es nur 350 Kilometer.
Maribor-Pohorje - 12 Stunden Skibetrieb täglich
Bis 21 Uhr tummeln sich Einheimische und vor allem Nachbarn aus dem Großraum Graz (nur eine halbe Autobahnstunde entfernt) auf zehn Kilometer hell beleuchteten und breiten Pisten. Und bei Bedarf - etwa im Fasching - wird kurzfristig bis 2 Uhr verlängert. Unter Tags vermögen die 40 Pisten-Kilometer durchaus zu begeistern, weil die Nordhänge 1000 Meter Höhenunterschied erreichen und 21 Seilbahnen eine schwarze Abfahrt direkt unter der Gondel (wird nach frischem Schneefall einen bis drei Tage nicht präpariert) genau so erschließen wie die so genannte touristische Piste. Sie schlängelt sich auf langen Ziehwegen gen Tal, bleibt stets im blauen Bereich und ist wohl so zu ihrem Namen gekommen.
Gleich neben der Bergstation können Ski gegen Pferde ausgetauscht werden, Reitlehrer inklusive. Die Zeichen stehen auf Ausbau: Im Dezember 2008 ging der neue „6-er-Sessel“ Pisker II in Betrieb und im Herbst 2007 wurde ein 4-Sterne-Hotel auf 1.050 Meter Seehöhe um ein Appartement-Haus mit großzügigem Wellness-Zentrum erweitert - 100 Meter von der Skipiste entfernt.
Kravavec - Hausberg von Ljubljana
Die neue und luxuriöse Zubringer-Gondel bringt Skifahrer in die erste Etage auf eine Hochalm (keine Abfahrt ins Tal!). Von dort erschließen je vier und drei Seilbahnen oder Schlepplifte zwei weitere Etagen bis auf knapp 2000 Meter Seehöhe. Anfang des Jahres wurde eine neue 6-er-Sesselbahn eröffnet. Von den insgesamt 26 Kilometer präparierten Pisten sind 12 mit rot für mittelschwer ausgewiesen. Eine Abfahrt bleibt für Freerider unpräpariert, für Snowboarder gibt´s eine 150-Meter-Halfpipe. Hoch droben auf der Alm lässt der Luxus nach - Lift-Sessel mit Holzbrettern ohne Polsterung im Kriechgang gibts hier noch. Halfpipe, Bordercross, zwei Sprungschanzen, Pisten mit Zeitnehmung und eine 90-prozentige Beschneiung locken an Wochenenden viele Sportler aus der Hauptstadt an, denn Krvavec ist der Hausberg von Ljubljana.
Kranjska-Gora - Weltcup-Ort
Gleich hinter der Kärntner Grenze liegt das bekannteste Skigebiet Sloweniens mit den atemberaubenden Gipfeln der Julischen Alpen. Für Prominenz sorgen die regelmäßigen Weltcup-Rennen genauso wie der in einem Seitental gelegene Vorort Planica mit dem Weltrekord im Schanzen-Fliegen von 239 Metern. Seit Anfang des Jahres surrt eine neue 4-er-Sesselbahn über der verbreiterten Podkoren-Abfahrt. Eisklettern, Kinderskischule, Schlitten-Partys im Fackel-Licht, 40 Kilometer Loipen, ein Casino - alles ist da. 19 Seilbahnen und Lifte erschließen gut 20 Kilometer überwiegend „blaue“ Pisten. 800 Meter Seehöhe schon im Tal garantieren reichliches Weiß bis April.
Vogel - Skizentrum Nummer eins
Die obere Hälfte der Abfahrt vom Gipfel des Postaja Sija in den Zagarjev-Graben ist präpariert, die untere für Freerider reserviert - sie stellt alleine 12 der insgesamt 36 Pistenkilometer mit viel Gelände-Abwechslung zwischen hellrot und schwarz ohne „Autobahnen“. Die guten alten Liftstützen (hier kann man noch mit einem gemütlich Einser-Sessel durch den Karst zuckeln) inmitten der Pisten sind sorgfältig gesichert. Gemeinsam mit den benachbarten Orten Kobla, Soriska Planina und Pokljuka (bekannt durch seine Biathlon-Weltcupveranstaltungen) bringt es die Bohinj-Region auf rund 70 Kilometer Pisten plus 75 Kilometer Loipen einschließlich des neuen Snowboard-Parks. Die Seilbahnen zählen nicht unbedingt zu den schnellsten, schaffen aber alle zusammen über 20.000 Beförderungen pro Stunde und sind durch ein dichtes Skibus-Shuttle-System miteinander verbunden - das ist von der Angebotsdichte her die Nummer Eins in Slowenien. Der neue Sessellift Orlova Glava kommt hinzu. Und wer keine Lust hat, den Skipass voll auszunutzen, darf sich bei Schlechtwetter den „Rest“ vom Eintritt in den neuen „Aquapark“ abziehen lassen - das Kartenlesegerät an der Badekasse weist das entsprechende Guthaben exakt aus.
Kanin - Anspruchsvoll mit Meeresblick
Mit 1600-2300 Meter über der See bietet Kanin die meisten Höhenmeter aller slowenischen Skigebiete und gleichzeitig einen Blick auf die Adria - entsprechendes Wetter vorausgesetzt. Die Gondel bewältigt gut 1700 Meter Höhendifferenz und bietet erste Eindrücke der anspruchvollsten Pisten im Lande. Eine Abfahrt führt zum Sella Nevea in Richtung Tarvisio (4-er Sessel , Lift-Verbindung zurück nach Slowenien kommt noch, bis dahin PKW-Transfer). Die Verbindung mit dem österreichischen Arnoldstein ist längst geplant.
Der Skipass gilt jetzt schon auf allen Pisten im Dreiländer-Eck und ab 5-Tages-Skipass gibt’s zwei Tage auf italienischer oder österreichischer Seite als Draufgabe. Die neue Abfahrt „Skripi III“ wurde schon eröffnet. Ein Abstecher in die etwas entlegene Gegend lohnt sich auch wegen der Restaurant-Szene, die genau so wie die Pisten für Fortgeschrittene ausgelegt ist. Rund um das Städtchen Kobarid haben sich bemerkenswerte Slow-Food-Spezialisten (wie Hisa Franko) etabliert.
Mehr Informationen:
Slowenisches Fremdenverkehrsamt
Maximiliansplatz 12a
80333 München
Tel 089-29 16 12 02
Fax 089-29 16 12 73
slowenien.fva(at)t-online.de
www.slovenia-tourism.si